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Migrationberatung im Rahmen des interkulturellen Lernens in der Theodor-Heuss-Schule

Dr. Nadjib Sharifi

Die Ausgangssituation
 
Seit dem Schuljahr 2006/07 existiert an der Theodor-Heuss-Schule eine Migrationsberatung. Das ergab sich daraus, dass ich als Leiter des psychosozialen Zentrums in Frankfurt am Main Schüler und Schülergruppen, der THS zu Gast hatte. In den Jahren 2005 und 2006 führten wir zwei Fortbildungen zum Thema psychosoziale Situationen von Jugendlichen und die Folgen von Flucht und Trauma für das Kollegium der THS durch.

Ausgehend von diesen Erfahrungen und den Beratungen seit dem Schuljahr 2006/07 wurde die Notwendigkeit von Migrationberatung im Rahmen des interkulturellen Lernens in der THS deutlich sichtbar. Der Schulleiter Herrn Kößler unterstützte dieses Angebot.

Der Entwicklungsprozess und Ist-Zustand  auf der Basis meiner Beratungen

Seit Beginn meiner Tätigkeit an der THS konnte ich folgende Problemfelder feststellen:

  • Unter den ca. 2000 Schüler/innen der THS weist ein hoher Anteil einen Migrationhintergrund sowie Fluchterfahrung auf.
  • Die Schüler kommen von anderen Schulen der Stadt bzw. des Kreises Offenbach zur THS und hatten bis zu ihrem Schulwechsel wenig unterstützende Begleitung in schulischer und berufsvorbereitender Hinsicht.
  • Die Eltern von Migrantenkindern besitzen kaum Informationen bzw. Kenntnisse über das Schulwesen in Hessen, geschweige denn über ihre Pflichten und Rechte als Eltern in Bezug auf schulische Angelegenheiten.
  • Die jungen Migranten sind mit zwei unterschiedlichen Wertesystemen sowie   Erziehungsstilen konfrontiert. Zuhause erfahren sie einen autoritären traditionellen Erziehungsstil, während sie in der Schule einen demokratisch - kritischen Erziehungsstil erfahren.

Aus der Konfrontation dieser beiden Wert- und Normensysteme ergeben sich Konflikte. Deshalb fehlt auch eine "neue, angemessene, akzeptable" Orientierung sowohl für die Schüler als auch für ihre Eltern. 

  • Hinzu kommen bei vielen Kindern und Jugendlichen und deren Familien   traumatische Flucht - und Exilerfahrungen.
  • Auch die restriktiven ausländer- und asylrechtliche Bedingungen sind oft belastend. Einige Schüler müssen ständig mit der Angst leben in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden.

Die Summierung der bisher aufgeführten Stressfaktoren führt bei vielen Schülern im Schulalltag zu folgenden Konflikten:

  • Verhaltensauffälligkeiten,
  • Störungen des Unterrichtsverlaufs,
  • verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit,
  • Aggressionen,
  • Intoleranz und Abwertung gegenüber Schülern anderer Nationalitäten und Religionsgemeinschaften.

Auch aus den Gesprächen mit den Eltern sind deren Orientierungslosigkeit und Verunsicherung zu erkennen. Auch deshalb halten viele  Eltern an den ihnen bekannten und bewährten "traditionellen und autoritären" Haltungen fest.
Die Folge sind häufig dominante Verhaltensweisen von Vätern und Brüdern gegenüber ihren Töchtern und Schwestern.

Aufgrund dieser Konfliktfelder wurden für die durchgeführten Beratungen folgende Ziele formuliert:

  1. Die Schüler sollen die Ursachen und Zusammenhänge von Konflikten verstehen und in konstruktiver und aggressionsfreier Kommunikation austragen.
  2. Die Schüler sollen befähigt werden Lösungsstrategien herauszuarbeiten.
  3. Die Schüler sollen ihre positiven Ressourcen erkennen und in sichtbarer Form in  ihrem Schulalltag einsetzen.
  4. Die Schüler sollen die Unterschiede in Werten und Normen bei anderen Ethnien respektieren. Sie sollen lernen die Andersartigkeit als Bereicherung und Ergänzung ihrer eigenen kulturellen Werte schätzten zu lernen.
  5. Die versetzungsgefährdeten Schüler sollen  bei schulischen Defiziten weiterhin zuhause von Pädagogik - Studenten Unterstützung bekommen.
  6. Die Schüler sollen im Rahmen des interkulturellen Lernens neben dem Schulunterricht auch für die Theodor-Heuss-Schule übergreifende Aktivitäten kreativ und kooperativ gestalten (z.B. die interkulturelle Woche im September 2007).
  7. Die Eltern sollen neben den bis jetzt durchgeführten Beratungen auch in national und kulturspezifische Beratungen über das Schulwesen in Hessen sowie bei den vergleichenden Betrachtungen über Erziehungs- und Bildungsvorstellungen Informationen und Sachkenntnisse bekommen.
  8. Die Eltern sollen Anregungen bekommen, damit sie trotz geringer Deutschkenntnisse in der Lage sind ihre Kinder schulisch zu begleiten.
  9. Die Eltern sollen erfahren, dass die erlebten Normen und Werte ihrer Kinder sowohl im schulischen und im außerschulischen Bereich keinen Widerspruch zu ihren heimatlichen Normen darstellen, sondern als Bereicherung anzusehen sind. 


Die Lehrer der THS werden weiterhin differenzierte Informationen über soziokulturelle, ethnische Wert-, Bildungs- und religiöse Vorstellungen der Eltern bekommen. Den Lehrern werden die Prozesse der Familiendynamik und ihre Besonderheiten sichtbar gemacht. Sie sollen die jeweiligen Verhaltensweisen von Schülern wahrnehmen und verstehen. Diese Anregungen sollen sie wie bisher in ihrem alltäglichen Unterricht anwenden.


Der Ausblick
 
Aus den dargestellten Erfahrungen ergibt sich die Notwendigkeit den effizienten Entwicklungsprozess der Beratung fortzusetzen und weiter zu entwickeln.

Diese drei pädagogischen Bausteine erscheinen dabei als Grundlage  dringend erforderlich:

  1. Schülerberatung einzeln und in der Gruppe.
  2. Elternberatung sowohl einzeln als auch in der Gruppe.
  3. Rücksprache und kontinuierlicher Informationsaustausch mit den Lehrern auch im Rahmen der laufenden Schüler- und Elternberatung.


Diese Bausteine lassen sich wechselseitig ergänzen und unterstützen die THS auf ihrem Weg zu einem noch erfolgreicheren Lernzentrum. In diesem Lernzentrum, in dem alle voneinander und miteinander lernen und dabei gegenseitigen Respekt erfahren, soll eine offene und aggressionsfreie Atmosphäre herrschen.

Die Theodor-Heuss-Schule kann durch ihre Aktivitäten die Schüler unterstützen und:

  • sie zu einem erfolgreichen Schulabschluss führen
  • das Selbstwertgefühl von Schülern stärken und ihre Identität fördern
  • zu einer verbesserten Lehrer-Schüler-Beziehung beitragen
  • die verantwortungsvolle und engagierte Zusammenarbeit der Eltern mit der Schule in allen schulischen Angelegenheiten stärker als bisher ermöglichen.

Verfasser: Dr. Nadjib Sharifi

 

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