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Sunday, 14. May 2017

Theaterprojekt "Zwischenraum"

Mit Theater Grenzen überwinden.

 

 

 

 

Junge Migranten aus einer InteA-Klasse der THS sind zum Jugendtheaterfestival nach St. Petersburg gereist. Bald führen sie ihr Projekt „Zwischenraum“ auch in Frankfurt auf.

Trailer zum Projekt

Fernsehbeitrag aus dem russischen Fernsehen

Mahmoud bekommt den Fensterplatz, da sind sich alle einig. Mahmoud, der aus Syrien ins Rhein-Main-Gebiet floh, aber noch nie in einem Flugzeug gesessen hat. „Ich bin ein bisschen nervös“, offenbarte der 19-Jährige vergangene Woche bei der Generalprobe des Theaterprojekts „Zwischenraum“ in der Offenbacher Theodor-Heuss-Schule.

Nervös, weil es am nächsten Morgen für ihn und sechs weitere jugendliche Migrantinnen und Migranten auf eine Theaterreise nach St. Petersburg ging. In der russischen Stadt feierten die Jugendlichen, die erst vor ein, zwei Jahren ihre Heimat verließen, gemeinsam mit nach Russland migrierten jungen Menschen Premiere beim internationalen Jugendtheaterfestival „Harlekin“ im Alexandrinski-Theater. Fünf weitere Schüler schalteten sich aus Offenbach per Skype-Verbindung zu – sie hatten kein Visum erhalten.

Auch bei den anderen sieben klappte dies erst auf den letzten Drücker, erzählt die Frankfurter Theaterpädagogin Anna Yunisheva, die für die transnationale Fortsetzung ihres bereits 2015 begonnenen Projekts, mit dem sie vergangenes Jahr am „Fluchtpunkt“-Festival des Schauspiels teilnahm, schon vorab in ihre Geburtsstadt St. Petersburg reiste, um die Einreisegenehmigungen zu organisieren.

Aufführung

Nach der Premiere auf dem internationalen Jugendtheaterfestival Harlekin im russischen St.Petersburg gestern und heute ist das Theaterprojekt „Zwischenraum“ demnächst auch in Frankfurt zu sehen.

Die Aufführung im Kellertheater, am Sonntag, 21. Mai, beginnt um 18 Uhr. Die Theatergruppe aus Russland wird per Skype zugeschaltet.
www.kellertheater-frankfurt.de
 
Dass das Projekt auf Grenzen stieß, passt aber zum biografisch-dokumentarischen Charakter des gut einstündigen Stücks. Die Erlebnisse der Jugendlichen, die aus Syrien, Somalia, Griechenland und Polen stammen und an der Heuss-Schule in InteA-Klassen auf ihren deutschen Hauptschulabschluss hinarbeiten, formen die Szenen, den „Zwischenraum“, in dem sie sich bewegen.

Bei der letzten Probe vor Abflug wird dies offenbar: Das Reiseteam interagiert per Skype mit jenen, die zuhause bleiben müssen und aus einem Nebenraum der Schule über ihre Pässe reden. Ebenfalls zugeschaltet sind die Darstellerinnen aus der russischen Projektgruppe in St. Petersburg, die ihnen Fragen stellen: „Würdet ihr Pässe abschaffen, wenn ihr könntet?“ oder: „Welchen Pass würdet ihr wählen, wenn ihr euch eine beliebige Nationalität aussuchen könntet?“

„Dass junge Leute sich kennenlernen, Fragen stellen, sich begegnen und austauschen“, sei zentraler Teil des Projekts, sagt Anna Yunysheva. „Und wir wollen uns damit auseinandersetzen, wie es Leuten geht, die weit weg von ihren Heimatländern leben, ob in Deutschland oder in Russland. Wie geht es ihnen, was haben sie gemeinsam?“

Um das herauszufinden, bleibt den Jugendlichen auch nach ihrer Rückkehr aus St. Petersburg noch Zeit. Im Mai werden sie eine zweite Premiere im Frankfurter Kellertheater feiern – dieses Mal mit Besuch aus St. Petersburg. Auch die russische Gruppe wird an die Grenzen der Einreisepolitik stoßen – aber darin, diese mit Mitteln des skype-gestützten Theaters zu überwinden, haben beide Seiten dann schon Erfahrung.

 

Reisebericht von der das Projekt betreuenden Lehrkraft (Pia Blume)

In ihrer Heimatstadt Sankt Petersburg rief Anna Yunysheva parallel zu dem Projekt in Offenbach ein weiteres ins Leben. Der Regisseur und Theaterpädagoge Michail Patlasov arbeitet dort mit Jugendlichen, die aus ihren Heimatländern Armenien, Aserbaidschan, China, der Ukraine, Usbekistan, Tadschikistan und anderen nach Russland flohen. Dank der finanziellen Unterstützung des Amtes für Integration der Stadt Offenbach, des Fördervereins der Theodor-Heuss-Schule und Frau Habermann, der Vizepräsidentin des Hessischen Landtages,  konnte ein sechstägiges Zusammentreffen beider Ensembles schließlich stattfinden. Die Verständigung funktionierte: Englisch, Russisch, Deutsch oder Arabisch wurde gesprochen oder eben ganz unkonventionell mit Händen und Füßen oder mithilfe des Google-Übersetzers kommuniziert.

Persönlichkeitsentwicklung und Integration

Ute Steinmeyer, stellvertretende Schulleiterin der THS, und Pia Blume, Klassenlehrerin, sehen in dem intensiven Spiel der Teilnehmer auf der Bühne und dem Austausch der Teilnehmer untereinander und mit dem Publikum wichtige Kompetenzen gefördert: personale Kompetenzen, soziale Kompetenzen und Sprachkompetenz. Sie begleiteten ihre Schüler nach Sankt Petersburg und konnten insbesondere dort den Kompetenzzuwachs beobachten: „Es ist erstaunlich, wie schnell sie ihre persönlichen Grenzen überwinden und Berührungsängste abbauen konnten. Voller Respekt und Toleranz haben sich die Projektteilnehmer aufeinander einlassen können und sich über Kulturen und Religionen ausgetauscht, wobei sie sprachliche Grenzen ganz spielerisch überwunden haben.“ Beide betonen nochmal, dass es hier nicht um Selbstdarstellung gehe, sondern um die Persönlichkeitsentwicklung und den damit einhergehenden Integrationsprozess.

Beindruckt zeigen sich Frau Steinmeyer und Frau Blume noch immer von dem Engagement und Durchhaltevermögen ihrer Schüler. Denn auf der „New Stage“ des Aleksandrinsky-Theaters, einem der bekanntesten Theaterhäuser Russlands, probten die Darsteller täglich mindestens acht Stunden miteinander, unterstützt wurden sie dabei auch von Regie- und Schauspielstudenten der Theaterakademie Sankt Petersburg.

„Berührende Szenen“ mit biografischem und dokumentarischem Charakter

Die Premiere, die gemeinsamen Aufführungen am 24. und 25. April als ein Ergebnis des Theaterlabors „Zwischenraum“ im Rahmen der Deutschen Woche 2017 in Sankt Petersburg, hielt für das Publikum eine Collage von Szenen zu den oben genannten Themen bereit, Szenen des Offenbacher Ensembles (mit russischem Untertitel), eine Szene via Skype live aus Offenbach, Szenen des Sankt Petersburger Ensembles und gemeinsam erarbeitete Szenen, durchwebt von Tanz und Musik aus aller Herren Länder. Zuschauer fühlten sich „vollkommen mitgenommen, wie auf eine Reise“, welche mit dem Auftritt maskierter Gestalten begann. „Diese Masken waren unheimlich, aber als die Masken abgesetzt wurden, haben wir ein sehr schönes Bild gesehen von verschiedenen jungen Leuten, wie ein wunderschönes Blumenbukett." Sie erzählten von ihren Wünschen und Träumen: vom Ankommen, von Freundschaft und Toleranz, von der eigenen Familie und der Kultur und natürlich von der ersten Liebe. Aber auch mit Widrigkeiten und unbequemen Wahrheiten wurde der Zuschauer konfrontiert: mit dem verlorengegangenen Vertrauen in die Politik, mit dem Krieg in Syrien, mit Flucht und mit der Vielfalt der Verluste. Nachdem Suad und Mahmoud von den Bomben auf Aleppo erzählt hatten, stimmten alle ein und die Forderung hallt nach: „Keine Rassisten! Keine Diktatoren!“

„Das ist ein neuer frischer Blick auf unsere Welt.“

So lautete das Fazit einer russischen Zuschauerin vor dem Hintergrund, dass das Thema „Flüchtlinge“ in der öffentlichen Wahrnehmung in ihrem Land kaum eine Rolle spielt. Durch das Theaterprojekt  „Zwischenraum“ wurde in Sankt Petersburg Öffentlichkeit hergestellt für das in Russland wenig beachtete Thema. Es eröffnet aufgrund der Weiterarbeit des Parallelensembles auch weiterhin die Chance zur Diskussion des Bildes von Flüchtlingen – Sind Flüchtlinge eher eine Gefahr oder eine Bereicherung? – und ermutigt zum interkulturellen und interreligiösen Austausch, denn durch die Darsteller auf der Bühne wird das Thema individualisiert und dadurch (be-)greifbarer, präsenter. Massiv steht es im Raum und man kann sich als Zuschauer nicht entziehen.

Der Abschied am Flughafen fiel den Jugendlichen schwer, denn unabhängig von Sprache, Nationalität, Kultur und Religion entstanden Freundschaften. Doch alle Projektteilnehmer, auch jene, die kein Visum für Russland bekommen hatten, freuen sich bereits auf ihr Wiedersehen beziehungsweise Kennenlernen im Juli in Berlin im Rahmen des Russischen Festivals des Jugendaustausches „Wir – Mиp“. Bis dahin gilt es, den geografischen „Zwischenraum“ zwischen ihnen zu überwinden, doch dafür genügen einfache Fragen: „Hast du WhatsApp? Bist du bei Skype?“ Da kennen sie keine Grenzen.

Termine

Theaterlabor „Zwischenraum“ am Sonntag, den 21.5. um 18 Uhr im Kellertheater Frankfurt, weitere Termine werden auf der Homepage der Theodor-Heuss-Schule Offenbach veröffentlicht.

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