Freitag, 23. Juli 2010
Raumkonzept der Stadt lässt klassenübergreifendes Lernen nur bedingt zu
Pädagogen wünschen sich bei Raumplanungen für Erweiterungstrakt mehr Mitsprachemöglichkeiten.
Der folgende Artikel erschien am 23. Juni 2010 in der Frankfurter Rundschau .
Schulen auf dem Buchhügel - Der Teufel im Detail
von Jörg Muthorst
(Bild: Rolf Oeser)
Eigentlich könnten auf dem Buchhügel alle zufrieden sein. Die Theodor-Heuss- und die Käthe-Kollwitz-Schule werden nach über 30-jährigem Warten von Grund auf saniert und erhalten einen gemeinsamen Erweiterungstrakt samt Sporthalle. Alles in schickem Weiß, alles modern. Aber eben doch nicht optimal, sagt Ute Steinmeyer, stellvertretende Heuss-Schulleiterin.
Bei aller Freude darüber, räumlich endlich angemessene Unterrichtsbedingungen zu erhalten und die vielen Dependancen weitgehend schließen zu können: Pädagogen beider beruflicher Schulen fühlen sich in das Bauverfahren der Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP), mit dem das Schulzentrum erneuert wird, nicht genügend eingebunden. Die Wünsche und Bedürfnisse der Schulgemeinden würden von der Stadt nicht ausreichend berücksichtigt, kritisiert der GEW-Gewerkschafter und Personalrat an der Käthe-Kollwitz-Schule, Michael Köditz.
"Der Teufel steckt im Detail", sagt der scheidende Kollwitz-Schulleiter Gerd Müller. So sollen die Verwaltungen beider Schulen im abgelegenen Obergeschoss des Neubaus untergebracht werden. Das aber empfindet nur die Heuss-Schule als Verbesserung.
Die Kollwitz-Schule möchte ihr Lehrerzimmer und Sekretariat lieber am Eingang an der Buchhügelallee belassen und befürchtet einen Verlust an sozialer Kontrollmöglichkeit und lange Wege für ihre Lehrkräfte. Müller: "Für uns ist das wie Sibirien."
Den Änderungsvorschlag der Heuss-Schule, im Neubau offene Raumkonzepte umzusetzen, um klassenübergreifendes Lernen zu ermöglich, hat Hochtief zwar aufgegriffen. Brandschutz und schlauchförmige Architektur ließen aber nur einen Kompromiss zu, bedauert Gudrun Bayer von der Berufsfachschule. Von der fehlenden Wegeüberdachung zwischen den Gebäudeteilen über einen fehlenden großen Versammlungsraum reichen die aufgelisteten Mängel.
Manche Details ließen sich noch nachträglich bei der Ausführungsplanung ändern, sagt, Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Hochtief sei hier sehr bemüht. Bei der Sanierung der Bestandsgebäude, zumal des Kollwitz-Schulhauses, um das sich die Stadt selbst kümmert, sei noch etwas mehr Zeit für Absprachen. Am grundsätzlichen Raumkonzept könne aber nicht mehr gerüttelt werden. Es sei lange vorher mit den Schulen abgestimmt und Bestandteil der Ausschreibung gewesen. Bis 25. August müsse Hochtief den Bauantrag für die Neubauten gestellt haben.
Genau das aber ist der Hauptkritikpunk der Schulen. Ihnen werde durch ÖPP ein hoher Zeitdruck aufgebürdet, sagt Müller. Der Rahmen für eine detaillierte Abstimmung sei viel zu knapp. Wegen der Ferien könne das Kollegium nicht einbezogen werden. In einen Offenen Brief an Magistrat, Fraktionen und Hochtief unterstützen GEW, Verdi und DGB die Forderung nach einer längeren Vorlaufphase. Doch schon der letzte GEW-Brief blieb unbeantwortet.
Ursprünglich hätte die Bauplanung schon im Mai vorliegen sollen. Wegen des Einspruchs eines ÖPP-Bieters hatte sich jedoch das Vergabeverfahren verzögert.
Beide Schulen argwöhnen, die Stadt versuche jetzt baulich, sie am Buchhügel zusammenzulegen, und bangen in einer "Mammutschule" um die Qualität ihrer Arbeit. Das sei eine Frage der Handhabung, sagt Weiß. Die Schulen sollten rechtlich selbstständig bleiben, sich durch engere Kooperation aber zu einem ganztägig arbeitenden Berufsschulzentrum entwickeln.