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Das Performance-Theater „Zwischenraum“ stellt sich vor

Video-Bildcollage zur Theateraufführung

Trailer zum Projekt

Fernsehbeitrag aus dem russischen Fernsehen

  • Intea-Schüler setzen sich im Rahmen ihrer Theaterarbeit mit eigenen Erfahrungen auseinander
  • Kooperation  zwischen der Theodor-Heuss-Schule, dem Kellertheater in Frankfurt und der Theaterakademie im russichen Sankt Petersburg
  • Konzept und Regie: Anna Yunysheva
  • verantwortliche Lehrerin in der THS: Pia Blume

In ihrer russischen Heimatstadt Sankt Petersburg hat Anna Yunysheva parallel zu dem Projekt in Offenbach ein weiteres ins Leben gerufen. Auch dort existiert ein Ensemble aus jungen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen aus ihren Heimatländern geflohen sind. Der Kooperationspartner dort ist die Theaterakademie Sankt Petersburg. Die beiden Gruppen kommunizieren oft via Skype miteinander, tauschen sich über ihre Arbeit aus und entwickeln gemeinsam neue Ideen und Szenen.
Das Projekt sucht weitere Kooperationspartner, um sich weiterzuentwickeln und die Performance in unterschiedlichen weiteren Theatern, Städten und Ländern zu zeigen.

Was passierte? Termine und Ereignisse

Oktober 2015: Start des Projekts und Beginn der Proben

Januar 2016: Teilnahme am Festival „Fluchtpunkt Frankfurt“ im Schauspiel Frankfurt

April/Mail 2016: Performances im Kellertheater in Frankfurt, im RuK in Rumpenheim und im Deutschen Ledermuseum in Offenbach

September 2016: Mit dem Start des neuen Schuljahres Beginn der Proben mit einem veränderten Ensemble

November 2016: Aufführung bei dem offiziellen Besuch des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und zahlreicher anderen Politiker in der Theodor-Heuss-Schule in Offenbach

Ende 2016: Start des gemeinsames Projektes „Zwischenraum / Цель визита“ mit den Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus St. Petersburg, dem russischen Regisseur Mikhail Patlasov, der Theaterakademie Sankt Petersburg, und dem Alexandrinski-Theater

April 2017: Premiere von „Zwischenraum / Цель визита“ in St. Petersburg auf dem internationalen Jugendtheaterfestival „Harlekin“ (siehe Bericht)

Mai 2017: Performance im Kellertheater Frankfurt

Juli 2017: Performance im Hafen 2 in Offenbach

Juli 2017: Teilnahme am Jugendfestival "Wir — Мир" in Berlin
September 2017: Performances im Rahmen der Auftaktveranstaltung der „Interkulturellen Wochen“ auf Bundesebene in der THS

Wie war´s? Berichte

April 2017 - „Zwischenraum“- Projekt überwindet russische Grenze

"InteA-Schüler“ reisen für einen Theateraustausch nach Sankt Petersburg
 
Drei Stunden ließen die russischen Grenzbeamten sie zappeln. „Wieso ist dieser Deutsche Reisepass für Ausländer blau und jener grau?“, war eine der vielen unangenehmen Fragen, mit denen die Projektteilnehmer, das sind Schülerinnen und Schüler der Schulform InteA (Integration durch Anschluss und Abschluss) aus der Theodor-Heuss-Schule in Offenbach, Ende April bei der Einreise nach Russland am Flughafen von Sankt Petersburg konfrontiert wurden. Suad wurde gefragt: „Sie haben einen syrischen Reisepass, wie kommen Sie zu einem Visum für Russland?“

Dank des langen Atems der Initiatorin des Theaterprojekts Anna Yunysheva und der vielen offiziellen Schreiben seitens der Kooperationspartner gelang es, für zumindest sechs der zu diesem Zeitpunkt elf Projektteilnehmer Visa für Russland zu erhalten, deren Ausstellung von ihrem Aufenthaltsstatus in Deutschland abhängig gewesen war.

Nach Deutschland Geflüchtete performen mit nach Russland Geflüchteten

In ihrer Heimatstadt Sankt Petersburg rief Anna Yunysheva parallel zu dem Projekt in Offenbach ein weiteres ins Leben. Der Regisseur und Theaterpädagoge Michail Patlasov arbeitet dort mit Jugendlichen, die aus ihren Heimatländern Armenien, Aserbaidschan, China, der Ukraine, Usbekistan, Tadschikistan und anderen nach Russland flohen. Dank der finanziellen Unterstützung des Amtes für Integration der Stadt Offenbach, des Fördervereins der Theodor-Heuss-Schule und Frau Habermann, der Vizepräsidentin des Hessischen Landtages, konnte ein sechstägiges Zusammentreffen beider Ensembles schließlich stattfinden. Die Verständigung funktionierte: Englisch, Russisch, Deutsch oder Arabisch wurde gesprochen oder eben ganz unkonventionell mit Händen und Füßen oder mithilfe des Google-Übersetzers kommuniziert.

Persönlichkeitsentwicklung und Integration

Ute Steinmeyer, stellvertretende Schulleiterin der THS, und Pia Blume, Klassenlehrerin, sehen in dem intensiven Spiel der Teilnehmer auf der Bühne und dem Austausch der Teilnehmer untereinander und mit dem Publikum wichtige Kompetenzen gefördert: personale Kompetenzen, soziale Kompetenzen und Sprachkompetenzen. Sie begleiteten ihre Schüler nach Sankt Petersburg und konnten insbesondere dort den Kompetenzzuwachs beobachten: „Es ist erstaunlich, wie schnell sie ihre persönlichen Grenzen überwinden und Berührungsängste abbauen konnten. Voller Respekt und Toleranz haben sich die Projektteilnehmer aufeinander einlassen können und sich über Kulturen und Religionen ausgetauscht, wobei sie sprachliche Grenzen ganz spielerisch überwunden haben.“ Beide betonen nochmal, dass es hier nicht um Selbstdarstellung gehe, sondern um die Persönlichkeitsentwicklung und den damit einhergehenden Integrationsprozess.

Beindruckt zeigen sich Frau Steinmeyer und Frau Blume noch immer von dem Engagement und Durchhaltevermögen ihrer Schüler. Denn auf der „New Stage“ des Aleksandrinsky-Theaters, einem der bekanntesten Theaterhäuser Russlands, probten die Darsteller täglich mindestens acht Stunden miteinander, unterstützt wurden sie dabei auch von Regie- und Schauspielstudenten der Theaterakademie Sankt Petersburg.

„Berührende Szenen“ mit biografischem und dokumentarischem Charakter

Die Premiere, die gemeinsamen Aufführungen am 24. und 25. April als ein Ergebnis des Theaterlabors „Zwischenraum“ im Rahmen der „Deutschen Woche“ 2017 in Sankt Petersburg, hielt für das Publikum eine Collage von Szenen zu den oben genannten Themen bereit, Szenen des Offenbacher Ensembles (mit russischem Untertitel), eine Szene via Skype live aus Offenbach, Szenen des Sankt Petersburger Ensembles und gemeinsam erarbeitete Szenen, durchwebt von Tanz und Musik aus aller Herren Ländern. Die Zuschauer fühlten sich „vollkommen mitgenommen, wie auf eine Reise“, welche mit dem Auftritt maskierter Gestalten begann. „Diese Masken waren unheimlich, aber als die Masken abgesetzt wurden, haben wir ein sehr schönes Bild gesehen von verschiedenen jungen Leuten, wie ein wunderschönes Blumenbukett." Sie erzählten von ihren Wünschen und Träumen: vom Ankommen, von Freundschaft und Toleranz, von der eigenen Familie und der Kultur und natürlich von der ersten Liebe. Aber auch mit Widrigkeiten und unbequemen Wahrheiten wurden die Zuschauer konfrontiert: mit dem verlorengegangenen Vertrauen in die Politik, mit dem Krieg in Syrien, mit Flucht und mit vielen Verlusten. Nachdem Suad und Mahmoud von den Bomben auf Aleppo erzählt hatten, stimmten alle ein und die Forderung hallt nach:
„Keine Rassisten! Keine Diktatoren!“

„Das ist ein neuer frischer Blick auf unsere Welt.“

So lautete das Fazit einer russischen Zuschauerin vor dem Hintergrund, dass das Thema „Flüchtlinge“ in der öffentlichen Wahrnehmung in ihrem Land kaum eine Rolle spielt. Durch das Theaterprojekt  „Zwischenraum“ wurde in Sankt Petersburg Öffentlichkeit hergestellt für das in Russland wenig beachtete Thema. Es eröffnet aufgrund der Weiterarbeit des Parallelensembles auch weiterhin die Chance zur Diskussion des Bildes von Flüchtlingen – Sind Flüchtlinge eher eine Gefahr oder eine Bereicherung? – und ermutigt zum interkulturellen und interreligiösen Austausch, denn durch die Darsteller auf der Bühne wird das Thema individualisiert und dadurch (be-)greifbarer, präsenter. Massiv steht es im Raum und man kann sich als Zuschauer nicht entziehen.

Der Abschied am Flughafen fiel den Jugendlichen schwer, denn unabhängig von Sprache, Nationalität, Kultur und Religion entstanden Freundschaften. Doch alle Projektteilnehmer, auch jene, die kein Visum für Russland bekommen hatten, freuen sich bereits auf ihr Wiedersehen beziehungsweise Kennenlernen im Juli in Berlin im Rahmen des Russischen Festivals des Jugendaustausches „Wir – Mиp“. Bis dahin gilt es, den geografischen „Zwischenraum“ zwischen ihnen zu überwinden, doch dafür genügen einfache Fragen: „Hast du WhatsApp? Bist du bei Skype?“ Da kennen sie keine Grenzen.

Autorin: Pia Blume

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